The change
Manu und Klaus haben definitiv recht, ein neuer Beitrag ist längst überfällig. Ich hatte auch schon Beitrag No. 3 fertig, allerdings war er durch und durch langweilig geschrieben und sein Inhalt strotzte vor Pessimismus.
Höchste Zeit wieder einmal mitzuteilen, was so passierte in den vergangenen beiden Wochen:
Bei den Kursen schaffte ich es, eine halbwegs brauchbare Mischung zu finden. Es wird zwar unmenschlich schwer werden, aber ich bin überzeugt, den Großteil zu schaffen, das sollte für die Beihilfen reichen.
Mobiles Internet ist auch nicht billiger geworden in der Zwischenzeit, ich werde deshalb einfach darauf verzichten.
Wie mein Leben so weiterging: Vor anderthalb Wochen lud mich meine Nachbarin Sonntag morgens in ihre Kirche mit, wenn ich sie richtig verstanden habe, dürfte es eine Evangelische sein. Die Leute dort sind total freundlich und beim anschließenden Café (wie man hier so schreibt) hab ich mich total angenehm unterhalten. Verstanden von dem was der Pastor dort so sagte hab ich fürs erste noch nicht viel, in ein paar Wochen sollte ich aber so weit sein, dass ich ohne Probleme zuhören kann. Zu Mittag wurde ich von Joëlle zum Essen eingeladen, es gab ein nordisches Gericht, mit Linsen, Bohnen und einer ganz eigenen Wurst, ziemlich ungewohnt, schmeckte jedoch eigentlich echt vorzüglich.
Die darauf folgende Woche ging ziemlich den Bach runter. Montag abends war ich bis Mitternacht auf der Uni wo ich das Internet benützte und Dinge gedruckt habe (Namensschilder für die Tür und den Briefkasten). Leider ging die letzte Metro (die U-Bahn in Lausanne) um 23:57 und die verpasste ich genau um ein paar Minuten. Ich beschloss mir kein Taxi zu nehmen und verbrachte stattdessen die nächsten 3 Stunden damit, mir einen Weg nach Hause zu suchen, was ich glücklicherweise ohne Verirren oder größere Umwege schaffte. Ich bin fast ein wenig stolz auf mich selbst, auch wenn es alles andere als angenehm war: saumüde, durstig und mit einer Laptoptasche unterwegs, die mit jeder Stunde ein erstaunlicheres Gewicht aufzuweisen schien.
In den nächsten Tagen kam ich morgens kaum aus dem Bett, verpasste einige Kurse und hantelte mich von Termin zu Termin. Ich versuchte stets vor Ladenschluss den Migros (eine der beiden hiesigen Supermarktketten) zu erreichen, was mir teils gelang, manchmal war ich auch einfach zu spät dran.
Irgendwie schienen sich die Negativfaktoren meiner Stimmung einfach zu multiplizieren. Sachen die vor meiner Abfahrt passierten (Beziehungsende, Auto zu Schrott gefahren und ähnliches...) gingen mir durch den Kopf. Die Menschen hier waren alle total nett und ich kam mit jedem gut klar, nur sind sie eben keine Freunde - und telefonieren mit der Familie und den Freunden aus Österreich ist leider sauteuer, wie ich schon einmal erwähnt hab. Was mich am meisten nervte, war die Tatsache, dass hier nichts "einfach so" funktioniert. Mal schnell einen Nachmittag auf "Autopilot" schalten funktioniert einfach nicht. Für jeden Schmarrn muss man irgendwo nachfragen und sich erkundigen - meistens auf Französisch aber selbst wenn die anderen versuchen mit gebrochenem Englisch oder Deutsch mit mir zu reden, ist flüssige Kommunikation eine Seltenheit.
Den Abend verbrachte ich manchmal auf der Uni, manchmal zu Hause. Jedenfalls war ich viel alleine, für mich ein völlig neues, ziemlich ungewohntes Gefühl, war ich es doch gewohnt immer von einer Vielzahl von Menschen umgeben zu sein. Ich hatte noch keine Zeit den Fernseher zum Laufen zu bringen (kaputtes Kabel) also vergnügte ich mich in der Zwischenzeit mit unzähligen Filmen und Serie am Laptop, was sicherlich den Hauptgrund für mein derzeitiges Zeitdefizit darstellt. Tag für Tag wurde ich demotivierter, war deprimiert weil ich die Zeit beim Fernsehen vorbei streichen ließ anstatt etwas sinnvolles weiter zu bringen und verbrachte deshalb noch mehr Zeit mit Fernsehen. Keine besonders gute Basis für den Semesterbeginn in einem fremden Land.
Das Wochenende sollte jedoch die (von meinen Freunden prophezeite) Wende bringen. Ich konnte mich wieder aufrappeln, schaffte einige schon länger anstehende Erledigungen und traf mich schließlich mit meinem Nachbar Fréderick, von dem ich am Anfang geglaubt habe, er sei sehr reserviert. Ich kaufte zwei Einkaufssackerl voll Lebensmittel ein, räumte auf, startete den Geschirrspüler und brachte den Müll hinaus. Am Abend kochte Anne-Lydie für mich, eine unglaublich tolle Frau, wir lachen total viel miteinander und versuchen uns meist mehr schlecht als gut auf Französisch zu unterhalten. Am Sonntag lernte ich schließlich total viele, extrem nette Leute kennen. Nächstes Wochenende werde ich mit ein paar von ihnen nach Bulle (eine Stadt in der Nähe) fahren, mal schaun, wie das so wird.
Diese Woche wird voraussichtlich sehr ausgefüllt werden, vor allem die Uni verlangt langsam wieder nach meiner vollen Aufmerksamkeit. Mit dem Tanzen würde ich auch gerne wieder anfangen, ich hab nur noch keine Ahnung wo ich eine leistbare Tanzschule finden soll und womöglich brauche ich auch noch eine Tanzpartnerin, aber das sollte bekanntlich das normalerweise kleinere Problem sein.
Für heute Abend ist mal wieder ein Party im Darling geplant, vielleicht sollte ich dort auch vorbei schauen, um den Kontakt zu den anderen Austauschstudenten nicht völlig zu verlieren, momentan habe ich ja vorrangig Kontakt zu den Schweizern.
Schönen Nachmittag noch,

Höchste Zeit wieder einmal mitzuteilen, was so passierte in den vergangenen beiden Wochen:
Bei den Kursen schaffte ich es, eine halbwegs brauchbare Mischung zu finden. Es wird zwar unmenschlich schwer werden, aber ich bin überzeugt, den Großteil zu schaffen, das sollte für die Beihilfen reichen.
Mobiles Internet ist auch nicht billiger geworden in der Zwischenzeit, ich werde deshalb einfach darauf verzichten.
Wie mein Leben so weiterging: Vor anderthalb Wochen lud mich meine Nachbarin Sonntag morgens in ihre Kirche mit, wenn ich sie richtig verstanden habe, dürfte es eine Evangelische sein. Die Leute dort sind total freundlich und beim anschließenden Café (wie man hier so schreibt) hab ich mich total angenehm unterhalten. Verstanden von dem was der Pastor dort so sagte hab ich fürs erste noch nicht viel, in ein paar Wochen sollte ich aber so weit sein, dass ich ohne Probleme zuhören kann. Zu Mittag wurde ich von Joëlle zum Essen eingeladen, es gab ein nordisches Gericht, mit Linsen, Bohnen und einer ganz eigenen Wurst, ziemlich ungewohnt, schmeckte jedoch eigentlich echt vorzüglich.
Die darauf folgende Woche ging ziemlich den Bach runter. Montag abends war ich bis Mitternacht auf der Uni wo ich das Internet benützte und Dinge gedruckt habe (Namensschilder für die Tür und den Briefkasten). Leider ging die letzte Metro (die U-Bahn in Lausanne) um 23:57 und die verpasste ich genau um ein paar Minuten. Ich beschloss mir kein Taxi zu nehmen und verbrachte stattdessen die nächsten 3 Stunden damit, mir einen Weg nach Hause zu suchen, was ich glücklicherweise ohne Verirren oder größere Umwege schaffte. Ich bin fast ein wenig stolz auf mich selbst, auch wenn es alles andere als angenehm war: saumüde, durstig und mit einer Laptoptasche unterwegs, die mit jeder Stunde ein erstaunlicheres Gewicht aufzuweisen schien.
In den nächsten Tagen kam ich morgens kaum aus dem Bett, verpasste einige Kurse und hantelte mich von Termin zu Termin. Ich versuchte stets vor Ladenschluss den Migros (eine der beiden hiesigen Supermarktketten) zu erreichen, was mir teils gelang, manchmal war ich auch einfach zu spät dran.
Irgendwie schienen sich die Negativfaktoren meiner Stimmung einfach zu multiplizieren. Sachen die vor meiner Abfahrt passierten (Beziehungsende, Auto zu Schrott gefahren und ähnliches...) gingen mir durch den Kopf. Die Menschen hier waren alle total nett und ich kam mit jedem gut klar, nur sind sie eben keine Freunde - und telefonieren mit der Familie und den Freunden aus Österreich ist leider sauteuer, wie ich schon einmal erwähnt hab. Was mich am meisten nervte, war die Tatsache, dass hier nichts "einfach so" funktioniert. Mal schnell einen Nachmittag auf "Autopilot" schalten funktioniert einfach nicht. Für jeden Schmarrn muss man irgendwo nachfragen und sich erkundigen - meistens auf Französisch aber selbst wenn die anderen versuchen mit gebrochenem Englisch oder Deutsch mit mir zu reden, ist flüssige Kommunikation eine Seltenheit.
Den Abend verbrachte ich manchmal auf der Uni, manchmal zu Hause. Jedenfalls war ich viel alleine, für mich ein völlig neues, ziemlich ungewohntes Gefühl, war ich es doch gewohnt immer von einer Vielzahl von Menschen umgeben zu sein. Ich hatte noch keine Zeit den Fernseher zum Laufen zu bringen (kaputtes Kabel) also vergnügte ich mich in der Zwischenzeit mit unzähligen Filmen und Serie am Laptop, was sicherlich den Hauptgrund für mein derzeitiges Zeitdefizit darstellt. Tag für Tag wurde ich demotivierter, war deprimiert weil ich die Zeit beim Fernsehen vorbei streichen ließ anstatt etwas sinnvolles weiter zu bringen und verbrachte deshalb noch mehr Zeit mit Fernsehen. Keine besonders gute Basis für den Semesterbeginn in einem fremden Land.
Das Wochenende sollte jedoch die (von meinen Freunden prophezeite) Wende bringen. Ich konnte mich wieder aufrappeln, schaffte einige schon länger anstehende Erledigungen und traf mich schließlich mit meinem Nachbar Fréderick, von dem ich am Anfang geglaubt habe, er sei sehr reserviert. Ich kaufte zwei Einkaufssackerl voll Lebensmittel ein, räumte auf, startete den Geschirrspüler und brachte den Müll hinaus. Am Abend kochte Anne-Lydie für mich, eine unglaublich tolle Frau, wir lachen total viel miteinander und versuchen uns meist mehr schlecht als gut auf Französisch zu unterhalten. Am Sonntag lernte ich schließlich total viele, extrem nette Leute kennen. Nächstes Wochenende werde ich mit ein paar von ihnen nach Bulle (eine Stadt in der Nähe) fahren, mal schaun, wie das so wird.
Diese Woche wird voraussichtlich sehr ausgefüllt werden, vor allem die Uni verlangt langsam wieder nach meiner vollen Aufmerksamkeit. Mit dem Tanzen würde ich auch gerne wieder anfangen, ich hab nur noch keine Ahnung wo ich eine leistbare Tanzschule finden soll und womöglich brauche ich auch noch eine Tanzpartnerin, aber das sollte bekanntlich das normalerweise kleinere Problem sein.
Für heute Abend ist mal wieder ein Party im Darling geplant, vielleicht sollte ich dort auch vorbei schauen, um den Kontakt zu den anderen Austauschstudenten nicht völlig zu verlieren, momentan habe ich ja vorrangig Kontakt zu den Schweizern.
Schönen Nachmittag noch,
funblog - 9. Mär, 12:45
Essen auf der EPFL ist leider auch ein eigenes Kapitel. Von der TU war ich es noch gewohnt, direkt neben der Uni im Billa einzukaufen - auf solchen Luxus muss man in Lausanne eher verzichten. Der nächste Supermarkt ist 4 U-Bahn Stationen entfernt. Direkt am Unicampus findet sich zwar was Mensa-Ähnliches und mehrere Imbisstand-Variationen, jedoch kaum etwas im leistbaren Preissegment. Für eine ziemlich kleine, lauwarme Lasagne zahlte ich 9 Franken (7,20 Euro) und der Geschmack ließ mehr als zu wünschen übrig. (Bei Lasagne gilt zwar stets der Grundsatz "Mami machts besser", aber die schmeckte echt nach gar nichts). Gegessen wird also fast immer daheim und bei 40 Minuten U-Bahn Fahrt dauert das eben. Momentan bin ich noch ganz gut darin fast täglich warm zu kochen, ich vermute aber fast, dass mir dafür bald die Zeit abhanden kommen wird.
Seit meinem letzten Blogeintrag ist das Leben zügig voran geschritten: Ich hab mich in Lausanne inzwischen ganz gut eingelebt, war am Freitag beim Welcome-Meeting für Austauschstudenten (dort wurde ich um einiges besser informiert als bei meinem Start an der TU) und lernte auch gleich erste andere Austauschstudenten kennen. Nach den offiziellen Informationen blieben wir gemeinsam noch eine Weile am Campus und trafen uns schließlich am Abend wieder um das Lausanner Nachtleben zu testen - dort geht echt was ab. Bei den Preisen hört sich dort allerdings wieder mal der Spaß auf, 10 Franken (8 Euro) für ein Bier sind einfach jenseits des Zumutbaren. Beim Bier findet man in Lausanne jede Menge trinkbares aber auch einige weniger empfehlenswerte Sorten, das 10-Franken-Bier kam jedenfalls nicht an österreichisches Gebräu heran.
Ich hatte im Übrigen vor, mit diesem Eintrag selbst geschossene Bilder online zu stellen, von unserem Haus, meinem fast fertig eingerichteten Zimmer und dem fabelhaften Ausblick den man von dort auf Lausanne hat. Nur sollte sich herausstellen, dass ich anscheinend meine Kamera vergessen habe. Vielleicht ist sie auch nur momentan nicht auffindbar, persönliche Bilder gibt es erst sobald ich eine Lösung für das Kamera-Dilemma gefunden hab.
Die Tatsache dass die "Credit Suisse" 2 Filialen auf der EPFL hat erleichtert den Umstand um einiges. Wenn alles gut geht sollte ich heute auch mein Stipendien ausgezahlt bekommen, den vollen Durchblick hab ich noch nicht darüber wie das mit Erasmus in der Schweiz genau funktioniert. Zumindest weiß ich, dass es anders als für andere Erasmusaufenthalte läuft weil die Schweiz nicht Teil der EU ist, es wirkt fast als erzeuge das jede Menge zusätzliche Komplexität. 




